Gottesdienst
am Fastnachtssonntag 2007
in Ühlingen
 
zur Ansprache
Will jemand in den tollen Tagen
als Narr sich auf die Kanzel wagen,
darf 's ihm trotz aller Reimerei
nicht gehen nur um Tollerei.

Er nehme - wie 's verlangt der Ort -
auch da sein Maß am Bibelwort
und lausche auf den Hintersinn.
Der ist der Narren Medizin.

Ich seh´s euch auf die Stirn geschrieben,
so mancher hält´s für übertrieben,
dass ich auf meine alten Tage
mit Lampenfieber mich rumschlage.

Doch glaubt es - oder lasst es bleiben -
ich tu die Predigt nicht gern schreiben,
bin lieber frei und nicht gebunden,
was ich geschrieben hab´ vor Stunden.

Einmal im Jahr - ganz ausnahmsweise -
verlasse ich die alten Gleise,
will ganz der Fastnacht sein zu willen,
das Predigtwort in Reime hüllen.

Fromm muss es sein, das ist die Pflicht,
der Reim als Kür darf fehlen nicht,
sonst pfeift ihr Narren mich hier aus
und geht womöglich gleich nach Haus

oder - was mich viel mehr noch schreckte -
ihr gebt heut´ nichts in die Kollekte.

... Damit ihr nicht den Ort müsst wechseln,
werd ich doch lieber Reime drechseln.
So seid gegrüßt und auch recht froh:
"Narri", sag ich, und auch "Narro".

Ich grüße der Gemeinde Glieder:
Die Fastnacht - ja sie hat uns wieder.
Drei Tage zieht's zu lautem Spaßen
die Schar der Narren auf die Straßen.

Da geht was los, da lässt man's krachen,
da gibt es oftmals was zu lachen.
Doch frag ich mich, muss das noch sein?
Gab's nicht das Jahr lang Narretein?

Und was für Unfug sie ersannen:
Murks und Pleiten, Pech und Pannen.
Politisch brachte man durchs Jahr
dem Nonsens viele Opfer dar:

Die Bildung lässt zu wünschen sehr
die Rentenkassen sind zu leer,
der Klimawandel macht zu schaffen,
Soldaten müssen zu den Waffen.

Studenten sollen künftig blechen,
man schließt auch ein paar Kohlezechen.
Beerdigt Atomstrom-Ausstiegspläne,
zahlt auch nicht mehr die neuen Zähne.

Und alles wird so richtig teuer,
es steigt nicht nur die Mehrwertsteuer!
Geschröpft und richtig ausgenommen,
erkenne ich nun recht beglommen:

Es ist nicht leicht in diesen Sachen,
´ne gute Politik zu machen.
Wir nehmen als Kriterium
hervor das Evangelium.

Jesus richtet seinen Blick
auf jene, die man lässt zurück:

Da ward ganz ungeschminkt und klar
der doch recht frommen Christenschar
zunächst ins Stammbuch eingeschrieben:
Du sollst auch deine Feinde lieben.

Das trifft mich nicht, ein jeder meint,
so richtig hab ich keinen Feind.
So ist's, wenn etwas bleibt abstrakt,
wird's gleich von allen abgehakt.

Doch wenn im Text man weiter geht,
wird alles dann doch sehr konkret.
Den meisten sicherlich missfällt,
es geht uns dabei auch ans Geld.

Du solltest dem, der unten kraucht,
doch einfach lassen, was er braucht:
Dein Hemd, dein Rock, geborgtes Geld,
ja einfach alles, was ihm fehlt.

Und rechne auch nicht immer aus,
ob da genug für dich springt raus.
Gib deinen zweiten Mantel ab
an die, bei denen's etwas knapp.

Wozu brauchst du denn acht Paar Schuhe,
gib sechs Paar ab, dann hast du Ruhe:
Und hast dabei auch noch den Nutzen,
dass du brauchst nur noch zwei zu putzen.

So hast du Zeit zu überlegen,
an wen du könnt'st dein'n Anzug geben,
den alten, dem´s die Nähte sprengt,
und trotzdem noch im Schrank rumhängt,

weil du dir sagst im Stillen immer:
Im nächsten Frühjahr werd' ich dünner,
und wenn er drückt nicht mehr am Bauch,
nehm' ich ihn wieder in Gebrauch.

Das schaffst du nie, du wirst nicht dünner,
die Motten werden die Gewinner.
Mach dir nichts vor und lass es sein,
hol aus dem Schrank und pack ihn ein.

Dann schick ihn weg ganz schnell - ratz fatz,
dann hast im Schrank du wieder Platz.
Das wäre - närrisch aufgestylt -
der Punkt, den Lukas angepeilt:

Füllt nicht nur in die eig'ne Tasche,
denn dieses wird zum Schluss nur Asche.
Ihr solltet gut zusammen leben,
und das heißt immer auch - zu geben.

Wer so dem Evangelium traut,
im Alltag auf die Botschaft baut,
der hat es zwar nicht immer leicht,
doch es der Welt zum Segen reicht.

Durch solche Menschen will´s Gott wenden,
die Welt muss nicht im Chaos enden.
Denn Gott hat einst sein Ja gesprochen,
dies gilt für ewig, nicht für Wochen.

Die Zukunft müssen wir nicht scheuen,
noch die Vergangenheit bereuen,
wo Gott, mit uns ´nen Weg beginnt,
Da werden wir zu seinem Kind.

So jubelt mit mir laut im Chor,
ich rufe es euch einmal vor:
Narri - Narro, Stiegele Chatz,
wir sind für Gott ein reicher Schatz!

Ansprache von Pfarrer Thomas Fritz
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