Gottesdienst
am Narrentreffen 2011
in Ühlingen
zur Ansprache

Liebe Brüder, liebe Schwestern!
Zum Schlüchttaltreffen sind seit gestern
die Narren von weit her gekommen,
sie haben uns im Sturm genommen.

Monsterkonzert und Hexensprung
brachten die Fastnacht gut in Schwung.
Die Nacht wurde zum Tag gemacht,
es wurd´ getanzt und viel gelacht

und heute Morgen in der Frühe,
da hatte mancher vielleicht Mühe,
sich von der Ruhstatt aufzuschwingen,
man musste sich so richtig zwingen,

das Bett so manchen kräftig lockte,
der morgens in der Halle hockte.
Doch alle, die sich aufgemacht,
die hören jetzt als Ohrenpracht,

die Predigt soll gereimt erklingen
das Gottesvolk zum Schmunzeln bringen.
Denn wenn man nicht mehr herzlich lacht,
das Leben keine Freude macht.

Ich habe etwas mitgebracht,
was uns nicht immer Freude macht.
Ein Spieglein ist in meiner Hand,
ich dies für heute passend fand.

Der Spiegel zeigt ganz unbarmherzig
und deshalb meist auch ganz schön schmerzlich
wo uns der Schuh so richtig drückt,
drum sind wir meisten nicht entzückt,

wenn jemand ihn uns mit Genuss
grad vor die Nase halten muss.
Der Spiegel bringt es an den Tag,
er fragt nicht nach, ob ich es mag.

Er zeigt mir jedes graue Haar,
die Ringe unterm Augenpaar
und alle klitzekleinen Falten -
neue genauso wie die alten.

Ich kann mich noch so viel bemühen,
die Haare täglich neu einsprühen,
die Haut so oft ich will eincremen,
mit Rouge die Blässe übertönen,

ich kann es noch so gut verstecken,
am nächsten Morgen wird entdecken,
wie's wirklich ist, der dumme Spiegel,
darauf geb' ich Euch Brief und Siegel.

Das mag den wenigsten gefallen,
dass so ein Spiegel zeigt uns allen
die Wirklichkeit, so wie sie ist.
Er tut dies ohne Arg und List.

Er zeigt die Dinge wie sie sind.
Für Falschheit ist ein Spiegel blind.
Lässt sich auch nicht von uns bestechen,
noch tut er über´s Knie was brechen.

Zeigt einfach ohne viel Trarar,
wie das Leben sich stellt dar.
Deshalb für mich das Fazit ist:
Der Spiegel für uns Beispiel ist!

Er allein scheint es zu wagen,
stets die Wahrheit uns zu sagen.
Er macht uns nie was andres vor,
als dass, was g´rade steht davor.

So spiegelt er uns allen,
auch Dinge, die uns nicht gefallen.
Sein "Ja" ist "Ja", sein "Nein" ein "Nein",
so wie es eigentlich soll sein.

Im Evangelium haben´s wir gehört,
dies ist es, was der Herr uns lehrt.
Doch können wir es nicht erfassen,
wenn wir von Furcht uns treiben lassen.

Ob das gehörte ist auch wahr,
im Leben ist´s nicht immer klar.
Hat man mir da nur schmeicheln wollen?
Klang das nicht etwas zu geschwollen?

Ist's Lug, ist's falsch oder wahr gesprochen?
Oder tun nur die Gerüchte kochen?
Regierte da Diplomatie?
Vieles erfahre ich ja nie.

Und wenn mir jemand etwas sagt,
dann ist's oft gut, wenn man sich fragt,
ob der da nicht hat übertrieben,
bei dem, wie er sich hat beschrieben.


Gesagtes ist oft vordergründig
und das, was man dahinter findet,
zeigt uns das deutliche Bestreben
sich selber besser auszugeben

und so ganz einfach zu verbergen,
was andere dann doch bemerken:
Ich habe Fehler und auch Macken!
Mir fehlen in der Krone Zacken!

Für Gott ist dies nicht das Problem,
wir können ihm ins Auge seh´n,
denn er hat seinen Sohn gegeben,
der uns beschenkt mit seinem Leben.

Er gibt uns Mut und Kraft genug,
damit wir leben ohne Trug,
die Wahrheit unsres Lebens finden,
und diese allen Leuten künden:

Gott nimmt uns an, auch unsre schwachen Seiten,
will uns durch diese Zeit geleiten
zu jener Welt, die künftig ist,
uns offen steht durch Jesus Christ.

Doch leben wir in dieser Welt,
auch wenn sie sie uns oft nicht gefällt.
Und mancher, der auf ihr so wandelt,
nicht immer ganz besonnen handelt.

Da ist es gut, wenn Menschen spiegeln,
wo andere sich nicht mehr zügeln,
dabei das eig´ne Ziel nur sehen,
und dafür über Leichen gehen.

Den Bänkern möchte ich gern sagen,
ihr sollt nicht nur Profite jagen,
mit fremdem Geld lasst Vorsicht walten,
den Sparern sollt ihr es erhalten.

Politiker, die planen gern
und sind den Bürgern oftmals fern.
Die wollen gerne mitbestimmen,
doch sollten sie nicht erst beginnen,

wenn Bagger schon begonnen haben,
und Trümmer in den Himmel ragen,
dann nützt das Demonstrieren wenig,
kostet nur Geld, und wirkt recht splenig.


Im Sport geht es noch um die Ehr,
so denkt man und betrachtet hehr,
das Bild vom Sieger auf dem Treppchen,
dabei hat er mit Dopinghäppchen

sich ganz nach vorn gebracht,
der Narr darüber leise lacht.
Denn nichts ist, wie es scheinen mag,
der Spiegel bringt es an den Tag.

Der Spiegel uns ganz deutlich lehrt,
in der Welt läuft manches halt verkehrt.
Der Narr wünscht sich mehr Ehrlichkeit,
denn nur die Wahrheit uns befreit.

Doch auch der Kirche tät es gut,
wenn sie verdient´ das Attribut,
dass sie von Grund auf ehrlich sei,
doch auch in ihr ist Heuchelei.

Das Spiegelein weiß zu berichten,
von vielen traurigen Geschichten.
Auch Bischöfe ins Stolpern kamen,
weil mit der Wahrheit sie´s genau nicht nahmen.

So ist auch viel frommes Gehabe,
bei Licht beseh´n oft nur Fassade
Zwischen Anspruch und der Wirklichkeit
klafft da in unsrer Kirche weit

´ne Schlucht, die wirklich abgrundtief.
Die Kirche wirkt nicht attraktiv.
Man zwar den Dialog ankündigt,
doch in der Kirche ihn nicht findet.

Zuletzt hat einer nur das Sagen,
und wer den Widerspruch will wagen,
dem wird ganz deutlich dann gezeigt,
wie wenig Platz für ihn noch bleibt.

Doch darin er das Schicksal teilt,
mit allen, die in dieser Zeit,
sich mühen um mehr Authentizität
wie es im Evangelium steht:

Euer "Ja" sei ein "Ja", das "Nein" ein "Nein",
alles andere sollte nicht sein.
Den Spiegel aus der Hand ich lege
Und mich an meinen Platz begebe.


Als Narr bracht´ ich in dieser Runde
von Schönem und von Schwerem Kunde.
Manches zum Lachen ist, manches zum Weinen
Doch wollen wir uns jetzt vereinen:

Gebt Gott die Ehr, preist seinen Namen
und sagt mit mir jetzt einfach

AMEN!

zurück