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Kreuzweg der Schöpfung
Das Matthäusevangelium deutet den Tod Jesu als endgeschichtliches Ereignis. In der Reihenfolge des Erzählens gehen der Leidensgeschichte die endzeitliche Rede Jesu und darin das Endgericht voraus. Und auch der Tod Jesu selbst wird als kleine Apokalypse inszeniert: die Sonne verfinstert sich, die Erde bebt, die Gräber öffnen sich, die Toten stehen auf (Mt 27, 57f.). All das sind Zeichen dafür, dass die Macht des Todes gebrochen ist und das Leben seinen Siegeslauf beginnt. Der Tod Jesu ist demnach ein kosmisches Ereignis, nicht nur ein solches, das für den Menschen Bedeutung hat.
Gott will, dass die Schöpfung das Zuhause aller Menschen in allen Völkern ist.
Gott will, dass jeder Mensch aufgehoben ist in einem guten, sinnvollen ganzen. Der Mensch soll Gott - unmittelbar sein: sein Bild, sein Gleichnis, sein Sohn, seine Tochter.
Gott will, dass jeder Mensch im Einklang lebt: mit sich selbst, mit anderen, mit der Schöpfung.
Gott will, dass Mann und Frau auf Augenhöhe leben: gleichrangig, gleichwertig, geachtet, umarmt, geliebt - einander bereichernd.
Gott will, dass kein Lebewesen leiden muss.
Gott will, dass die Menschen der Schöpfung verbunden leben und nie vergessen, dass sie Erdlinge sind: von der Erde genommen, in sie ein gebettet. Nur in dieser Verbundenheit bleibt der Mensch, was er ist: Erde, die Gott erhoben und mit dem Atem des Lebens beschenkt hat (vgl. Gen 2,7-8).
Im Leiden Jesu kommt uns das Leiden der durch Menschenhand zunehmend zerstörten Schöpfung als ganze entgegen. Jesus ist der Kreuzträger aller leidenden Kreatur; seine Stimme aus der Mitte des Leids ist auch ihre Stimme: gebrochen, kaum hörbar oder schreiend, voller Tränen und Schmerz - mit letzter Hoffnung. So ist es Jesus selbst, der in dieser Kreuzwegandacht das Leiden der Schöpfung im Gebet zum Ausdruck bringt: als Klage, die uns wachrütteln will, aktiv zum Heil der Welt beizutragen.
Bilder und Texte: Misereor Fastenaktion 2009
Gelesen von Johanna Etspüler + David Preiser
Lichttechnik: Thomas Fritz
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